Zahnmedizin und Gerinnungshemmung

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Zahnmedizin und Gerinnungshemmung

Zahnimplantate und Gerinnungshemmung

„Stop the nonsense but not the anticoagulants!“

„Hört mit dem Unsinn auf, Gerinnungshemmer abzusetzen“ unter dieser Überschrift erschienen vor einigen Jahren Artikel in internationalen medizinischen Fachzeitschriften. In diesen Beiträgen wurde darauf hingewiesen, dass

  • eine Unterbrechung der Gerinnungshemmung bei zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen nicht notwendig sei.

Grundlage waren die Ergebnisse weltweit durchgeführter Studien, die das Ziel hatten, heraus zu finden, welche Risiken bei Unterbrechung bzw. beim Fortführen der Gerinnungshemmung bestehen. Die Analyse ergab, dass eine Unterbrechung der Gerinnungshemmung bei zahnärztlich-chirurgischen Maßnahmen nicht immer notwendig ist. Das Fortführen der Gerinnungshemmung mag das Risiko einer Blutung erhöhen, aber diese Blutungen sind mit lokalen Maßnahmen gewöhnlich leicht zu beheben.
Auch wurde darauf hingewiesen, dass die Unterbrechung der Gerinnungshemmung keine Garantie dafür ist, dass das Risiko der postoperativen Blutung, die ein Eingreifen erfordert, ausgeschaltet wird, da ernsthafte Blutungen auch bei nicht antikoagulierten Patienten auftreten können.
Das „North West Medicines Information Centre“, Liverpool, gibt seit dem Jahr 2001 ständig aktualisierte Richtlinien heraus. Darin werden auch für Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, praktische Ratschläge erteilt. Wenn die Notwendigkeit einer chirurgischen Maßnahme beim Zahnarzt besteht, dann ist der INR-Wert am Montag zu bestimmen. Ist dieser höher als 4, erfolgt keine Behandlung. Idealer Weise sollte der Eingriff am Dienstagvormittag erfolgen. Sofern eine größere Blutung auftritt, können die erforderlichen Maßnahmen der Blutstillung während der Arbeitswoche durchgeführt werden. Herzklappen-Patienten sind Risiko-Patienten, daher ist auf die Endokarditisprophylaxe zu achten. Sollten Schmerzen auftreten, ist Paracetamol das Schmerzmittel der Wahl.
Ein australischer Mediziner beschrieb die Diskussion um das Für und Wider mit den Worten: „Das Unterbrechen der Gerinnungshemmung bei chirurgischen Maßnahmen beim Zahnarzt mindert zwar das Risiko einer Blutung, erhöht jedoch das Risiko eines thrombembolischen Ereignisses. Ein Schlaganfall ist ein katastrophales Ereignis, hingegen ist eine mögliche ernstere Blutung nach dem Ziehen eines Zahnes das geringere Übel.“

Christian Schaefer, Ratingen ( Februar 2008)