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Schlaganfall - Schicksal oder ist er vermeidbar?

Das Telefon klingelte. Ich nahm ab. Meine Tante am Apparat kam ohne Umschweife auf das Wichtigste. Dein Onkel hat einen Schlaganfall erlitten, sagte sie mir. Er liegt im Krankenhaus. Bis zu diesem Zeitpunkt war für mich das Thema Schlaganfall ein Thema ja; aber es hat mich nicht persönlich berührt. So klang es sicherlich ein wenig unbeholfen, als ich fragte wie es ihm gehe.
Er sei halbseitig gelähmt und es bestehen gravierende Sprachschwierigkeiten. Wir müssen erst einmal abwarten.
Zwei Wochen später kündigten wir - meine Frau und ich - unseren Besuch an. Wir fuhren zum Krankenhaus und meine Tante erzählte uns während der Fahrt, daß sie sich große Sorgen mache wie es weiter gehen sollte. Viel Hoffnung auf vollständige Genesung gebe es wohl nicht. Das Thema Pflege kam zur Sprache. Möglicherweise einen Umbau im Haus.
Für mich jedoch war das sich Nähern einem Schlaganfall-Patienten - zumal noch aus der Familie - im Moment ein größeres Problem. Wie soll ich ihm entgegentreten? Fröhlich wie immer wenn wir uns trafen oder... Die Sonne schien, so daß wir uns im Garten des Krankenhauses zum Kaffee trafen. Meine Tante schob den Rollstuhl. Da saß er nun - eine sonst stattliche Gestalt - zusammengesunken. Wir bemerkten, daß er sich freute uns zu sehen. Ein Zeichen für mich uns wie immer zu begrüßen. Die fehlende Sprache wurde durch Blickkontakt erwidert.
Ein halbes Jahr später besuchte ich wieder meinen Onkel. Er saß zuhause in seinem Sessel, der extra angeschafft wurde, freute sich mich zu sehen. In sehr langsam gesprochenen Sätzen antwortete er mir auf meine Fragen. Ganz besonders freute ich mich, daß wir gemeinsam Bier trinken konnten. Meiner Tante konnte man die Belastung ansehen. Tagtäglich das Umsorgen und ständig zur Stelle zu sein. Das zehrt. Ich sprach mit ihr über das "wie es geschehen konnte". Weißt Du, sagte sie, es fiel mir vor etwa einem Jahr auf. Während einer Autofahrt bemerkte ich, daß er für wenige Sekunden nicht ansprechbar war. Ich machte mir aber keine Gedanken. Dann hatte er Vorhofflimmern. Wie mir die Krankenhausärzte von der Schlaganfallabteilung sagten, habe er keine Gerinnungshemmer verschreiben bekommen. Ein möglicher Grund, daß er den Schlaganfall erlitten hat.

Was ist ein Schlaganfall?
Hierunter versteht man, wenn unvermittelt also schlagartig bestimmte Funktionen im Gehirn ausfallen. Die Folge können Lähmungserscheinungen, Gangunsicherheiten, Seh- und Sprechstörungen sein.
Halten diese Mangeldurchblutungen verbunden mit den beschriebenen Ausfallerscheinungen länger als ein Tag an ist es bereits zu einer dauerhaften Schädigungen von Hirngewebe gekommen. Der Schlaganfall ist eingetreten.

Wie viele Menschen erleiden Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland?
Genaue Zahlen gibt es noch nicht. Dennoch kann von ca. 250 000 Schlaganfällen pro Jahr ausgegangen werden, wobei das statistische Bundesamt sowie verschiedene wissenschaftlich tätige Autoren von bis zu 500 000 Schlaganfällen ausgehen. Derzeit wird von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe eine Datenbank eingerichtet, so daß in einigen Jahren genaue Zahlen vorliegen werden.
Volkswirtschaftlich gesehen, werden 15 Milliarden DM jedes Jahr für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten aufgewendet.

Ist jeder davon betroffen?
Nein, es gibt jedoch Risikogruppen wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Das sind u. a. Menschen zumeist über 50 Jahre alt deren Bluthochdruck unbehandelt ist oder aber Diabetiker sind oder unter Vorhofflimmern leiden. Erschwerend kommt hinzu wenn diese Risikogruppen sich nicht ausreichend bewegen, Rauchen und außerdem übergewichtig sind. Bestehen zudem Festtstoffwechselstörungen, d.h. der Gesamtcholesterinwert liegt ständig über 240 mg/dl, erhöht sich zusätzlich das Risikoprofil. Zu beachten ist, daß dieser Wert allein noch nicht viel aussagt. Bestimmt werden soll auch das "gute Cholesterin" HDL und das "schlechte Cholesterin" LDL. Liegen HDL ebenfalls ständig unter 50 mg/dl und LDL ständig über 130 mg/dl sollten diese Werte nach gewisser Zeit nochmals kontrolliert werden, um dann gegebenenfalls mit einer medikamentösen Behandlung zu beginnen.

Spielt der Lebensstil beim Schlaganfall eine Rolle?
Aufgrund vorliegender Daten kann man davon ausgehen, daß der heutige Lebensstil der westlichen Industrienationen einen großen Einfluß ausübt.

Es gibt verschieden Arten von Schlaganfällen
Der Hirninfarkt ist mit 78 % am Geschehen aller Schlaganfall-Typen beteiligt. Unterschieden wird entweder in der sog. Thromboembolie ( Verschluß einer Arterie durch einen Blutpropf) oder dem Verschluß einer Hirnarterie durch Gefäßverkalkung.
Auslöser dieser Hirninfakrte sind Gerinnsel, die der Blutstrom in die Hirngefäße transportiert hat. Die Blut- und Sauerstoffversorgung ist dann in bestimmten Regionen des Gehirns nicht mehr ausreichend. Es entsteht eine Mangeldurchblutung in diesen Regionen des Gehirns, die einen Hirninfarkt auslösen können.
Bei 65 % der Patienten die einen kardiogen-embolischen Schlaganfall erlitten haben war der Auslöser das Vorhofflimmern.
Patienten bei denen Vorhofflimmern besteht, können sich Gerinnsel im linken Vorhofohr bilden (siehe Abbildungen).
Eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) führt seltener zu Verschlüssen im Gehirn.
14 % der Schlaganfälle entstehen aufgrund einer Hirnblutung. Ursache ist meist hoher Blutdruck, wenn die Werte ständig über 140/90 mm HG liegen. Desto höher die Blutdruckwerte, desto größer das Risiko. Unter hohem Druck tritt das Blut aus den geplatzten Gefäßen. Diese Blutansammlung drückt auf die benachbarten Nervenzellen, die dann geschädigt werden können.
N Ca. 8 % der Schlaganfälle beruhen auf Störungen im Gerinnungssystem, Blutungen zwischen Gehirn und der weichen Hirnhaut oder Gefäßverletzungen wenn z.B. ein Schleudertrauma vorliegt oder eine plötzliche heftige Kopfbewegung erfolgt. Ereignisse, die selten auftreten.

Vorhofflimmern stellt das größte Risiko der kardiogen-embolischer Hirnfarkte dar also Hirninfarkte die durch das Herz ausgelöst sind.
Obwohl das Vorhoffllimmern nicht lebensbedrohlich ist, muß es behandelt werden. Nicht nur um eine Dauerschädigung des Herzens zu verhindern, sondern um das Risiko möglichen Verschlüsse in den Blutbahnen zu vermeiden.
Aufgrund der hohen flimmernden Frequenz der Vorhöfe verbleibt das Blut dort zu lange. Im linken Vorhofohr bilden sich Blutgerinnsel. Teile dieser Blutgerinnsel können sich losreißen und werden unter hohem Druck in die Hirnarterien gepumpt. Dort verschließen sie dann ein Gefäß. Eine Mangeldurchblutung ist die Folge und der Hirninfarkt wird ausgelöst.
Einen gewissen vorbeugenden Schutz bieten verschiedene Medikamente, die in die Gerinnungshemmung eingreifen. Acetylsalicylsäure (ASS) wird häufig bei Vorhofflimmern verordnet. Oftmals reicht ASS nicht aus und es wird die Substanz Phenprocoumon (Marcumar©, Falithrom©) eingesetzt. Die Dosierung...

 

Einengungen (Arteriosklerose) der Hals- und Nackengefäße
Eine beginnende Einengung der Karotis sowie der Vertebralis wird leider viel zu spät erkannt, da diese vom Patienten nicht bemerkt wird, da diese Einengungen der Gefäße über lange Zeit hinweg keine Beschwerden verursachen. Nicht die beginnenden Einengungen der Gefäße erhöhen nicht das Schlaganfall-Risiko, sondern die Gefahr der Gerinnselbildung. Die gefhährlichen Gerinnsel entstehen in den aufgrund der fortschreitenden Verkalkung zerklüfteten Gefäßwänden.
Oftmals wird erst aufgrund von Durchblutungsstörungen festgestellt, das eine Einengung der hirnversorgenden Gefäße besteht. Diese Einengung der hirnversorgenden Gefäße wird mittels einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie)

 

Die Folgen einer Arteriosklerose
Die glatten Innenwände der Gefäße werden im höheren Alter - etwa ab dem 50. Lebensjahr - durch Auf- und Einlagerungen von sog. Plaques rauh und zerklüftet. Mit den Jahren wachsen diese Plaques weiter und können schließlich die Gefäße fast verschließen. Es ist eine Stenose entstanden. Bestandteile des Blutes können sich ungehindert an den Engstellen anlagern. Die gefürchteten Gerinnsel entstehen. Der kräftige Blutstrom kann nun diese Gerinnsel mitreißen und fortschleppen bis in die kleineren Hirnarterienäste. Die Gerinnsel verschließen die kleinen Gefäße. Der Blutstrom wird an dieser Stelle gestoppt und eine Versorgung mit dem lebenswichtigen Sauerstoff, der im Blut enthalten ist, findet nicht mehr statt. Die Mangeldurchblutung löst einen arteriell-embolischen Infarkt aus.

Bluthochdruck
Die regelmäßige Blutdruckselbstmessung bringt es an den Tag. Wer einen Blutdruck von 120/80 mm/HG aufweist, hat einen optimalen Blutdruck. Liegen die Werte hingegen ständig über 140/90 mm/HG, so geht die WHO von einem Bluthochdruck aus.
Diese höheren Blutdruckwer-te belasten dauerhaft die Gefäße und begünstigen dadurch eine Arterienverkalkung - auch wenn man sich beschwerdefrei fühlt. Das Schlaganfall-Risiko erhöht sich dennoch um das 2,5 bis 6,3fache.
Die Bluthochdruck-Behandlung mit Medikamenten erfordert eine regelmäßige Einnahme. Leider wird diese von den Patienten nicht immer konsequent durchgeführt, da vermeintliche Nebenwirkungen befürchtet werden.

Man kann etwas für sich tun
Nicht viel - aber ein wenig doch!

Wie wär's mit einem Hund, der bei Wind und Wetter ausgeführt werden will? Wie wär's mit Treppensteigen und einem Verzicht auf den Fahrstuhl? Wie wär's mit Sport in einer Herzsportgruppe? Wie wär's mit einem täglichen Spaziergang oder flottem Gehen dreimal wöchentlich? Wie wär's mit zwei Fischmahlzeiten pro Woche? Wie wär's mit wöchentlich einem Frühstücksei und Brötchen und das am Sonntag? Wie wär's mit zwei Glas Rotwein täglich? Wie wär's mit nur drei Mahlzeiten täglich und keinen Knabbereien zwischendurch?
Schlaganfall - Schicksal oder vermeidbar? Die Entscheidung müssen Sie treffen.

Christian Schaefer, Ratingen und PD Dr. med. Heinrich Körtke† (Herzzentrum NRW, Bad Oeynhausen) (Jan. 2001)


Beratung und Auskunft erteilt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Postfach 104, 33111 Gütersloh, Tel.: (0 52 41) 97 70 - 0, Fax: (0 52 41) 70 20 71  Internet: www.schlaganfall-hilfe.de